Serie: Das Nervensystem

Wenn das Nervensystem stecken bleibt

Im letzten Teil ging es darum, welche Überlebensmuster im Nervensystem bei Gefahr auftauchen können, wie dabei die Aktivierung steigt und wie sie wieder sinkt, wenn die Gefahr vorbei ist. Was aber, wenn da was „stecken bleibt"?

Serie: Das Nervensystem

  1. Das Nervensystem kurz erklärt
  2. Das Nervensystem als Überlebenssystem
  3. Wenn das Nervensystem stecken bleibtDu bist hier
  4. Die Kapazität des NervensystemsBald verfügbar
  5. Was der Körper damit zu tun hatBald verfügbar
  6. Regulation — wie Übungen helfen und was SE anders machtBald verfügbar
  7. Buch- und Podcastempfehlungen: Das Nervensystem verstehen

Wenn eine Überlebensreaktion nicht zu Ende kommt

Wenn eine Situation bedrohlich ist, mobilisiert das Nervensystem — wie im zweiten Teil dieser Serie beschrieben — Energie für Kampf, Flucht oder Immobilität. Manchmal lässt sich eine Reaktion aber nicht zu Ende führen: weil Gegenwehr nicht möglich war, weil Weglaufen nicht ging, weil alles zu schnell passierte. Und weil auch danach kein Raum ist, diesen Überlebensimpuls abzuschließen und dabei die Energie zu entladen. Tiere in freier Wildbahn schaffen das meist ganz natürlich: Nach überstandener Gefahr zittern oder schütteln sie sich, ihr Körper entlädt die restliche Aktivierung, und sie ziehen unverletzt weiter. Beim Menschen fehlt dieser Raum oft — weil wir sofort wieder funktionieren müssen, weil soziale Regeln ein sichtbares „Nachbeben" unterdrücken, oder weil dafür keine Sicherheit da ist.

Die zur Verfügung gestellte Energie ist aber im Körper und die damit einhergehenden Schutzimpulse auch. Der Körper bleibt dann in der Vorbereitung stecken, die er nicht abschließen konnte. Die mobilisierte Energie wird nicht vollständig abgebaut. Peter Levine, der Begründer von Somatic Experiencing, geht davon aus, dass diese unvollständigen biologischen Reaktionen zu einer Desorganisation im autonomen Nervensystem führen.

Im Alltag zeigt sich das sehr unterschiedlich:

  • Reaktionen, die größer oder schneller sind, als die Situation es eigentlich verlangt
  • Ein Gefühl von Alarmbereitschaft, für das es keinen klaren aktuellen Grund gibt
  • Taubheit oder das Gefühl, nicht wirklich anwesend zu sein
  • Körperliche Beschwerden ohne organische Ursache — Anspannung, Erschöpfung, Verdauungsprobleme

Das ist ein Nervensystem, das etwas noch offen hält, das es damals nicht abschließen konnte.

Es muss kein einzelnes großes Ereignis gewesen sein

Häufig denken Menschen bei diesem Thema zuerst an einen Unfall, eine Operation, eine Gewalterfahrung. Solche Erlebnisse können tatsächlich zu unvollständigen Überlebensreaktionen führen. Genauso können es aber auch wiederkehrende, für sich genommen kleinere Erfahrungen sein, die sich über Zeit summieren — anhaltende Überforderung, fehlende Unterstützung in schwierigen Phasen, Situationen, in denen sich jemand ausgeliefert oder allein gefühlt hat.

Entscheidend ist nicht, wie „schlimm" ein Ereignis von außen betrachtet wirkt. Entscheidend ist, ob das Nervensystem in dem Moment die Kapazität hatte, damit umzugehen — oder ob es überfordert wurde.

Die gute Nachricht: Eine unvollständige Reaktion kann auch im Nachhinein noch zu einem Abschluss kommen. Wie Somatic Experiencing dabei unterstützen kann, darum geht Teil 6 der Serie.

SE für Erwachsene und Kinder

Für Erwachsene

Somatic Experiencing begleitet Menschen, deren Nervensystem in einer unvollständigen Überlebensreaktion feststeckt — körperorientiert, in kleinen Schritten, ohne Überwältigung.

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Für Kinder und Eltern

Wenn ein belastendes Ereignis alles in ein Vorher und Nachher einteilt — nervensystemorientierte Begleitung für Kinder und ihre Familien.

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