Körperorientierte Arbeit mit dem Nervensystem
Dorothea Singer ist Somatic Experiencing Practitioner und begleitet Erwachsene und Kinder in Stuttgart-Mitte. Somatic Experiencing ist ein körperorientierter Ansatz zur Regulation des Nervensystems — bei chronischem Stress, Trauma, Erschöpfung und innerer Leere, Anspannung und Rastlosigkeit, einem Verlust an Lebendigkeit und Lebensfreude. Bei überwältigenden Emotionen und einem Gefühl der Gefühllosigkeit. Und auch wenn kindliche Entwicklung nach einer schwierigen Erfahrung ins Stocken gerät.
Vielleicht hast du schon viel analysiert. Verstanden, warum du so reagierst wie du reagierst. Bücher gelesen, Podcasts gehört, vielleicht auch Gespräche geführt, die dir Klarheit gebracht haben.
Und trotzdem: Dein Körper macht weiter, was er immer macht. Die Anspannung. Die Erschöpfung. Das Gefühl, nicht wirklich im Hier und Jetzt zu sein.
Das ist kein Versagen. Das ist Biologie.
Somatic Experiencing — kurz SE — wurde von Dr. Peter Levine entwickelt und setzt genau da an, wo Einsicht allein nicht hinkommt: beim Nervensystem. Beim Körper. Beim unmittelbaren Erleben im jetzigen Moment.
Das Wissen dahinter: Unser Nervensystem speichert überwältigende Erfahrungen als unvollendete Überlebensreaktionen. Das muss kein einzelnes, klar erinnertes Ereignis sein - auch frühkindliche Erfahrungen oder eine Anhäufung von überfordernden Erfahrungen, hinterlassen ihre Spuren. Im Alltag zeigt sich das als Anspannung, die bleibt. Als Alarmbereitschaft, die nicht aufhört. Als Erschöpfung, die sich nicht durch Schlaf löst. Durch Bauchschmerzen, Verspannungen und Kopfweh, die keine medizinische Ursache haben.
Wenn wir in eine Situation geraten, die uns irgendwie bedroht, überfordert oder in der grundlegende Bedürfnisse dauerhaft nicht erfüllt werden, fährt unser Nervensystem, genauer gesagt, der Sympathikus, hoch. Das Herz schlägt schneller, Muskeln spannen sich an. Das ist Stress — und Stress ist zunächst keine Fehlfunktion. Er ist biologische Intelligenz, um auf die Herausforderung zu reagieren.
Das Problem entsteht, wenn viel Energie aktiviert wird, aber nicht vollständig in Handlung umgesetzt werden kann. Wenn Schutzimpulse, wie Fliehen oder Verteidigen, nicht ausgeführt oder zu Ende geführt werden konnten, weil die Situation es nicht zugelassen hat: Vielleicht weil alles zu schnell ging, wie bei einem Unfall. Oder weil die Kraft nicht gereicht hätte, um sich zu wehren. Oder weil der Versuch zu Kämpfen oder zu Fliehen alles nur noch schlimmer gemacht hätte - das ist in Abhängigkeitsverhältnissen oft ein Thema: manchmal in Arbeitskontexten, oft bei Kindern und ihren erwachsenen Bezugspersonen, auf die sie angewiesen sind. Vielleicht auch, weil ein inneres Dilemma entstand - bspw. den Impuls, hinzurennen, um zu helfen und den Impuls, wegzurennen, um dem Grauen zu entgehen.
Statt die ursprünglichen Impulse umzusetzen und die mobilisierte Energie dabei zu entladen, geraten wir in Beschwichtigung, Erstarrung oder einen Kollaps. Und die Überlebensenergie bleibt im System hängen. Manchmal jahrelang.
Der Verstand weiß vielleicht längst, dass die Gefahr vorbei ist. Aber das Nervensystem weiß es nicht. Es unterscheidet nicht zwischen damals und heute. Es reagiert auf das, was es im Körper wahrnimmt — nicht auf das, was wir verstanden haben oder uns selbst sagen.
Das ist der Grund, warum Einsicht allein oft nicht reicht. Und warum SE anders arbeitet als ein klassisches Gespräch.
SE hilft dem Körper, diese steckengebliebene Energie in kleinen, gut dosierten Schritten loszulassen. Nicht durch Reden über das Erlebte. Sondern durch das Wahrnehmen, was gerade — jetzt, in diesem Moment — im geschützten Setting der Begleitung im Körper passiert. Empfindungen, Impulse, innere Bilder. Die Sprache des Nervensystems eben.
SE ist kein Ansatz nur für „große Traumata". Er ist auch für all die stillen, schwer greifbaren Erfahrungen hilfreich, deren Ursache wir nicht oder nur wage kennen.
Wenn du dich in einem dieser Punkte wiedererkennst: Das kann ein Hinweis sein, dass dein Nervensystem aus seinem natürlichen Rhythmus geraten ist.
Genau da setzt SE an.
Wir arbeiten überwiegend im Gespräch — aber anders als du es vielleicht kennst. Deine Geschichte und deine Gedanken haben Raum. Wir bleiben aber nicht darin hängen.
Ich werde dich immer wieder einladen, wahrzunehmen, was gerade in dir passiert. Was du in deinem Körper spürst. Welche Gefühle oder inneren Bilder auftauchen. Wie du dich und deine Umgebung wahrnimmst. Ob Handlungsimpulse in dir entstehen. Was auftaucht, wenn du einem Gedanken oder einer Erinnerung ein bisschen mehr Aufmerksamkeit gibst.
Das klingt manchmal einfacher als es ist — vor allem am Anfang. Viele Menschen haben das Erspüren von Körperempfindungen nie wirklich gelernt oder damit aufgehört als es zu beängstigend war. Das ist völlig okay. Wir nähern uns dem gemeinsam.
SE arbeitet nicht trauma-konfrontativ. Wir gehen nicht mitten rein in den Sturm, dahin wo es am meisten weh tut und Überwältigung drohen würde. Wir gehen in kleinen, gut regulierten Schritten vor — immer auch mit einem Blick auf das, was dir Sicherheit und Stabilität gibt.
Sitzungen dauern 50, 75 oder 90 Minuten - je nach Absprache. Wir arbeiten in Präsenz in meiner Praxis in Stuttgart-Mitte — gut erreichbar aus dem gesamten Stadtgebiet. Bei Bedarf auch online.
Für wen ist SE geeignet?
Somatic Experiencing funktioniert über alle Altersgruppen hinweg. Je nach Kontext verbinde ich SE mit weiteren Methoden.
Für Menschen, die zu lang schon nur funktionieren und sich dabei nicht lebendig fühlen, die unter Gedankenkreisen, innerer Anspannung und Alarmbereitschaft leiden, sich danach sehen endlich mal Ruhe zu haben und wenn sie dann kommt, nicht runterfahren können. Menschen, die erschöpft sind und sich unverbunden fühlen.
→ Mehr zu meiner Begleitung für ErwachseneFür Kinder, die etwas erlebt haben, dass sie ins Stolpern gebracht hat. In der Arbeit mit Kindern verbinde ich SE mit heilpädagogischen und spieltherapeutischen Elementen — angepasst an Alter und Bedarf.
→ Mehr zu meiner Begleitung für Kinder und Eltern
Ich habe SE in einer dreijährigen Ausbildung bei Elfriede Dinkel-Pfrommer am Odenwaldinstitut gelernt und bin Mitglied im Somatic Experiencing Deutschland e.V.
Ergänzt habe ich meine Ausbildung durch Post-Advanced-Seminare bei Dr. Peter Levine — unter anderem zu den Themen Trauer, Träume und SE mit Kindern.
Ich verbinde Somatic Experiencing mit systemischer Beratung, Heilpädagogik, Spieltherapie, Kinderpsychodrama und Breath Coaching — je nachdem, was dem Prozess gerade dient.
Ich bin Klinische Heilpädagogin (M.A.) und arbeite seit 2011 mit Menschen in Krisen und Veränderungsprozessen.